Ein Blogbeitrag Dolomiten Höhenweg Nr. 4

Dolomiten Höhenweg Nr. 4

8/26/20194 min read

Alta Via Nr. 4 – mein Traumpfad durch die bleichen Berge!

„Wenn Berge da sind, weiß ich, dass ich da hinaufgehen kann, um mir von oben eine neue Perspektive vom Leben zu holen!“ Hubert von Goisern.

Er ist kurz, aber umso schöner

Er ist schwierig, aber umso aufregender

Er ist anstrengend, aber bleibt im Gedächtnis verankert

Er ist kalt, in den Gletscherseen

Er ist heiß, unter der Augustsonne

Er ist kontemplativ, weil sehr einsam

Er ist einzigartig weil man fast immer oben bleibt

Er ist auch noch so viel mehr

Der Höhenweg Nr. 4 zieht von Nord nach Süd, vom Pustertal in Sexten bis nach Pieve di Cadore im Piavetal. Durchquert dabei das vielleicht großartigste Gebirge der Welt – die Dolomiten.

Auf seinen 90 Kilometern durch durchwegs anspruchsvolles Gelände führt er über 5 Gebirgsgruppen.

Dabei sind einige Klettersteige und teils sehr ausgesetzte Wege mit manchmal vielen Höhenmetern. Aber der Weg lohnt sich, zumindest für alle die den Schwierigkeitsgrad beherrschen.

Der Start in Innichen ist natürlich wenig aufregend. Im kühlen schattigen Wald wird aber bald die Dreischusterhütte erreicht. Unter den zerklüfteten Wänden des Haunold führt diese Etappe zur Dreizinnenhütte. Vorher aber liegt noch der Toblinger Knoten am Weg. Eine kleine Felsnadel auf die gleich zwei kuriose Klettersteige hochführen. Wir nehmen den einfachen und sind schnell oben!

Hier lässt sich unbezahlbar schön die Aussicht genießen.

Zum Sonnenaufgang fast ein Muss, der Blick auf Paternkofel und drei Zinnen.

Im Osten der Drei Zinnen verläuft ein schmaler Weg unterhalb des Paternkofel. Direkt darüber staunt man über die Vielzahl der in den Fels gehauenen Stollen mit ihren Ausgucklöchern, die aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammen. Der halbe Berg ist durchlöchert von Stellungen die unter nicht vorstellbaren Bedingungen geschaffen wurden. Anscheinend waren dazu nur abgehärtete Bauernsöhne fähig. Stadtbewohner hielten die Strapazen nicht aus.

Am nächsten Tag führt der Sentiero Bonacossa weiter zur Fonda Savio Hütte. Er wurde im 1 Weltkrieg mühsam aus dem Fels gesprengt und ist eher ein Weg wie ein Klettersteig. Aber mit bestechender Aussicht auf die Drei Zinnen. Deren Bekanntheit macht sie übrigens nicht weniger atemberaubend.

Von der Hütte in Sichtweite liegt der Torre Wundt. Die zentrale Südwand ist ein Tummelplatz für Kletterer aus der halben Welt. Für uns ein netter Zeitvertreib, ist ja durchaus entspannter anderen zuzuschauen wie sie sich abmühen an winzigen Griffen. Auf jeden Fall mehr als selbst dranzuhängen.

Weiter geht’s über gleich drei Scharten auf dem Sentiero Durissini zum Rifugio Carpi. Auch hier fasziniert der bizarr zerklüftete Dolomit der Cadinigruppe.

Der kurze Abstieg und Wiederanstieg zum Rifugio Vandelli ist weniger aufregend. Aber dann liegt ja der Lago Sorapiss am Weg. Hier präsentieren sich die Dolomiten von ihrer besten Seite. Kein Wunder das alsbald eine Drohne fliegt und eine amerikanische Influencerin vor sich herjagt. Im eiskalten Wasser müsste sie längst erfroren sein. Keine Ahnung was sie am Leben hält, vielleicht die filmende Drohne. Wie eine Nixe liegt sie jetzt auf einem erratischen Fels mitten im See. Schaut her, ich bin hier, am schönsten See der Welt. Und das Wasser, türkisblau und herrlich warm. Majestätische Gipfel umrahmen mich wie ein Gemälde.

Schade das ihr jetzt alle nur zuhause sitzt, mit 40000 tausend Followern wäre es hier noch viel schöner. Aber jetzt muss ich wieder schnell zurück zum Auto am Pass. Nichts wie weg hier bevor ihr alle kommt!

An der Vandelli Hütte treffen wir einen Schwarzwälder der für den nächsten Tag keine Klettersteigausrüstung hat. Wir freunden uns an und helfen ihm aus mit überzähligen Karabinern und Schlingen. Denn am nächsten Tag liegt der Klettersteig C. Minazio direkt vor unserer Nase.

Fast, denn erst durchqueren wir noch lichte Kieferwälder, dann geht’s erst am Drahtseil entlang. Nicht ganz ohne, der schwerste am Alta Via 4. Zum ersten Mal begegnen uns auch 2 Spanier auf dem gleichen Weg. Hier auf der schwersten Etappe ist plötzlich was los.

Das Biwak in der Mitte des Weges zum Rifugio San Marco lassen wir links liegen. Kein Wasser ist hier zu finden und das unter der brennenden Ostwand, die uns aussaugt wie nasse Tücher an der Sonne. Zu allem Überfluss stimmt auch die Höhenmeter Angabe im Rotherführer nicht. Wir schleppen uns lechzend nach Wasser auf den enorm ausgesetzten Pfaden dahin. Die Oberschenkel brennen wie Feuer.

Unser Freund, der Schwarzwälder hat einen 20 kg Rucksack, wie dazumal die Schwarzwald Auswanderer nach Amerika. Er schwitzt wie blöd. Dann die Rettung, unter uns plätschert ein Bach. Aber weit unter uns, ich gehe dennoch hinab und hole das rettende Gold.

Erst dann schaffen wir die letzten 300 Höhenmeter zum Rifugio San Marco. Das wiederum liegt so idyllisch am Berg, dass man weinen könnte. Da ist dann schon wieder alles vergessen. Nachts um 22 Uhr kommt dann der letzte Wanderer vom Rifugio Vandelli daher, er ist rechts um den Berg herumgelaufen. Scheint nicht wirklich näher zu sein, denken wir. Am Ende waren es dann 1800 Höhenmeter statt 1000.

Weiter geht’s zum Rifugio Galassi und dann am Klettersteig Ferrata Cadorin 2 zur Forcella del Chiacciaio hoch. Belohnt wird man hier mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Ausläufer des Gletschers und den Antelao selbst. Im eiskalten Gletschersee nehmen wir ein zugegeben sehr kurzes Bad. Fliegt ja auch keine Drohne über uns!

Der markante formschöne Antelaogipfel wäre durchaus auch eine Reise wert.

Steinböcke liegen entspannt am Weg und tanken Sonne für den langen Winter hier oben. Neugierig, aber etwas gelangweilt beobachten sie uns aus nächster Nähe.

„Wo will das seltsam bunte Völkchen denn überhaupt hin, ist doch schön hier. Könnten doch auch bleiben. Nö nö die sind immer auf der Reise. Kommen nie an!“

Der Höhenweg führt jetzt über die Forcella Piria aussichtsreich zum Rifugio Antelao. Der Hüttenwirt sitzt mit der ganzen Familie am Tisch und knetet köstliche Ravioli zusammen.

Uns läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Leider gibt’s für uns dann weiche Spaghetti und die Ravioli nur für die Familie. Das I Tüpfelchen ist dann, dass die Oma allein im Lager schläft und wir alle zusammengepfercht im anderen. So kann man eine Hütte auch führen! Copyright Robert Mayer